Jamaika – Eine Koalition der umweltbewussten Besserverdiener?

Nach der Bundestagswahl vom 24.09.2017 scheint in Deutschland ein Regierungsbündnis geschmiedet zu werden, das es in dieser Zusammensetzung auf Bundesebene noch nie gab. Union, FDP und die Grünen versuchen Gemeinsamkeiten zu finden, um eine sogenannte Jamaika-Koalition zu bilden.

Wir haben uns die Frage gestellt, ob sich bei den Wählern dieser vier Parteien räumliche Muster und Gemeinsamkeiten finden lassen. Hierzu haben wir die Wählerstimmen aller Jamaika-Parteien zusammengefasst und in einer Karte dargestellt.

Als erstes fällt der eklatante Unterschied zwischen Ost und West auf. In den neuen Bundesländern liegt der Anteil aller Jamaika-Parteien lediglich zwischen 30 und 44 Prozent, d.h. die Jamaika-Koalition hat im gesamten Osten keine Mehrheit. Auch im Saarland und in Teilen des Ruhrgebiets hat Jamaika keine Mehrheit in der Bevölkerung.

Die größten Stimmenanteile für Jamaika finden sich im Süden der Republik, geprägt von den schwarzen Hochburgen in Bayern und den starken Anteilen der Grünen im Südwesten. Da in Schleswig-Holstein bereits seit kurzem eine Jamaika-Koalition auf Landesebene regiert, überrascht die Mehrheit für ein solches Bündnis auch bei der Bundestagswahl nicht. Eine Mehrheit erreicht Schwarz-Gelb-Grün auch in den Metropolen des Landes (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt und Stuttgart).

Was haben diese Gebiete hinsichtlich der sozio-ökonomischen Eigenschaften gemeinsam? Es wird oft davon gesprochen, dass Jamaika vor allem eine Koalition der Besserverdienenden sei. Wenn wir dazu die panadress-Kaufkraftkarte im Vergleich betrachten, ist dies nicht von der Hand zu weisen. Die kaufkraftstärksten Gebiete sind auch Jamaika-Land. In den strukturschwachen Gebieten, in denen sich viele Menschen vermeintlich abgehängt fühlen, gibt es dem entsprechend klare Zusammenhänge zwischen niedrigerer Kaufkraft und einem geringen Stimmenanteil für die drei potenziellen Koalitionsparteien.

Nun ist das Einkommen bzw. die Kaufkraft eine „harte“ Kennziffer, die das Wahlverhalten nicht allein erklärt. Daher blicken wir noch auf ein eher „weiches“ Merkmal, welches eine Lebenseinstellung aufzeigt, nämlich die Affinität für Umwelt und Ökologie aus dem mikrogeographischen Datenspektrum der panadress. Wenn wir uns hierzu die Karte zur räumlichen Verteilung anschauen, so sehen wir - der Wahlkarte ebenfalls nicht unähnlich – ebenfalls ein sehr starkes Gefälle zwischen Ost und West.

Aus der Kombination dieser beiden Merkmale aus dem panadress Datenspektrum zeigt sich also eine fast identische räumliche Verteilung wie bei den Wählern der Jamaika-Parteien. Somit können die Wähler anhand dieser wenigen mikrogeographischen Informationen recht präzise beschrieben und charakterisiert werden.

 
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